Viele Boote lagen nicht in Aalst, der Schwimmsteg besteht aus Gitterrost. Ein hinterer und ein vorderer Teil ist verbunden mit einem Stück Steg, das auf Kunststoff-Tonnen liegt und etwas provisorisch wirkt. Daher kam unser Eindruck, dass der Steg etwas verwahrlost war, dazu kam das Schilf, welches üppig wuchs und das Begehen erschwerte.Bild Nr002 Am vorderen Ende schwimmt ein Häuschen mit Toiletten, Duschen, einem Klubraum und einem Büro für den Hafenmeister. Eine Plattform auf der Landseite mit überquellenden Abfallbehältern und Abfallsäcken drumherum.Bild Nr004
Der telefonische Kontakt erwies sich als der Präsident des Klubs, welcher nur knapp zwei Handvoll Mitglieder zählt. Einen eigentlichen Hafenmeister gibt es nicht, es befand sich niemand vor Ort, auch nicht auf einem der hier liegenden Boote.
Dafür war der Kontakt mit dem Präsidenten besonders positiv, einerseits verstanden wir uns auf Englisch hervorragend und andererseits war er ziemlich entspannt, was das administrative anbelangt. Am Telefon verriet er mir den Ort, an dem er ein paar Chip-Karten versteckt hat, damit man Trinkwasser und Strom beziehen konnte und zudem ermöglichten diese Karten einem den Zutritt zum Steg vom Land aus. Dieser ist nämlich mit starken Gittern und elektronischen Toren perfekt gegen Eindringlinge gesichert. Via SMS durften wir die notwendigen Daten, wie Schiffsname, Heimathafen, E-Mail-Adresse etc. durchgeben und erhielten auf demselben Weg die IBAN des Kontos, wohin wir die bescheidene Liegegebühr überweisen konnten. Beim Anlegen achtete der Skipper, wie meist, darauf, dass sich der Bug, wo der Trinkwasser-Tank ist, möglichst nahe am nächsten Wasserhahn befindet. Unglücklicherweise war nur ein einziger der vier Hähne am Steg in Betrieb. Also verholten (Verholen=von Hand, mit den Leinen das Schiff am Steg entlang ziehen und so umplatzieren) wir Lilly um ca. 30 Meter. Auch von hier mussten zwei SchläucheBild Nr057 zusammengesteckt werden, um Wasser zu bunkern.Bild Nr006 Umständlich gestaltete sich das Wasser bunkern, weil man die Chipkarte an den Leser halten muss, um Trinkwasser beziehen zu können, allerdings nur für zehn Minuten, dann wollte die Karte erneut gelesen werden. Der Skipper durfte das Prozedere also siebenmal wiederholen. Obwohl Aalst nichts Spezielles bietet, verlängerten wir unseren Aufenthalt zweimal, einmal einfach, weil es uns hier gefiel und sich eine Routenänderung anbot und das zweite Mal, weil der Pegel stieg und die flämische Wasserstrassen-Behörde die Schifffahrt deshalb einstellte. Das stresste uns nicht besonders, weil am Schwimmsteg liegend heisst, die Festmacher-Leinen haben immer die richtige Länge, ob der Pegel sinkt oder steigt. Gefallen hat uns unter anderem der Besuch der Sint Martinuskerk, nicht nur, weil dieser Sakralbau beeindruckend schön ist, sondern auch weil die Ausstellung mit Bildern, auf denen man den Restauratoren bei der Arbeit zusehen konnte, hochinteressant war.Bild Nr011
In die Mitte der Zeit unseres Aufenthalts in Aalst fiel der erste August. Das ist der Schweizer National-Feiertag. Selbstverständlich begingen wir diesen Ehrentag Bild Nr056gebührend mit Lampions, einem Glas prickelndem alkoholischem Getränk und dem Abfeuern von Salutschüssen (das letzte ist gelogen, wir besitzen keine Feuerwaffen und es wäre wohl ohnehin verboten, aber es liest sich gut, oder?).
Die besagte Routenänderung betraf den geplanten Besuch von Brüssel. Unsere vorgesehene Route würde uns am Ende der Dender auf die Schelde führen und von dort auf den Zeekanaal Brussel-Schelde, auf dem wir eine Tagesreise bis Brüssel hätten. Dort gibt es zwar einen guten Hafen, dieser ist aber ca. eine halbe Stunde mit einem öffentlichen Verkehrsmittel vom Zentrum entfernt und dreimal so teuer wie hier in Aalst. So beschlossen wir, mit dem Zug von hier nach Brüssel zu fahren, zumal der Bahnhof vom Hafen zu Fuss in fünf Minuten erreichbar ist und der Bahnhof in Brüssel im Zentrum liegt und ein Weg nur eine halbe Stunde dauert. Wir fanden das ziemlich schlau. Allerdings war der Besuch der Hauptstadt Belgiens, an einem schönen und heissen Sommertag, sehr anstrengend, aber auch gehörig interessant. Selbstverständlich erhielten das Europaparlament und der königliche Palast, sowie der dazugehörige Park unsere Aufwartung mit gebührender Ehrfurcht und gefühlten tausend geschossenen Fotos. Für die Rückfahrt ins Zentrum erlaubten wir uns den Spass einer Fahrt mit der Metro. Nach der Shopping- und Besichtigungstour gönnten wir uns ein Nachtessen beim Royal Indian Restaurant im Freien in einem Gässlein. Das Gässlein wurde stark von Flanierenden frequentiert, aus einem nahen Gully wehte zeitweise ein unangenehmer Geruch vorbei und das Essen ging so. Dafür gestaltete sich die Rückreise angenehm und das an Bord gehen von Lilly, fühlte sich zu später Stunde, wie ein Heimkommen an, was es ja auch ist.Bild Nr039
Auf der Marine-Traffic-Website bemerkten wir, dass die Maxima, das Schiff vonBild Nr049 Ueli und Gabi, in relativer Nähe unterwegs ist. Sie waren genauso über unseren Standort informiert und so fragten sie uns auf so einem Social-Media-Kanal an, wie unsere Pläne seien und was sie vorhatten. Das Übereinanderlegen dieser unserer Pläne ergab, dass sich unsere Wege kreuzen würden. Wir verblieben also, dass wir bleiben sollen und sie aufbrechen würden, um Aalst in ein oder zwei Tagen zu erreichen. Sie schafften es unter optimalem ausnutzen der Tidenströmung in einer einzigen harten Tagesetappe. Um die Gezeitenströmung an diesem Tag richtig zu erwischen, mussten sie um sieben Uhr ablegen. Ihre Route führte sie vom Netekanaal über die Duffelschleuse, dann die Nete und die Rupel zu Tal bis zur Mündung in die Schelde. Dort sollten sie genau zum Zeitpunkt des Gezeitenwechsels über Backbord in die Schelde einlaufen und dann mit Hilfe der Tide von achtern die Schelde zu Berg bis zur Mündung und der Schleuse von Dendermonde laufen, wo sie auf der Dender zu Berg bis Aalst liefen und bei uns anlegtenBild Nr023. Müde, hungrig, aber zufrieden waren sie, als wir uns freudig begrüssten. Ueli musste gleich noch mal mit seinem Fahrrad eine Besorgung erledigen. Kaum zurück packte er eine Heckenschere aus, welche er unterwegs im Baumarkt gekauft hatte, und begann das Schilf zu schneiden, welches über den Steg hingBild Nr060. Solch spontanen Effort bewundernd, half Lillys Skipper nach Kräften, den Schnitt wegzuräumen. Am Abend, also nur kurze Zeit später, feierten wir das ungeplante, dafür umso erfreulichere Zusammentreffen auf der Maxima. Unkompliziert, wie Schifferleute sind, brachten wir Apéro fürs Gemüt, etwas für den Grill und Salat für die Gesundheit mit. Wie man sich wohl vorstellen kann, ging uns der Gesprächsstoff nicht aus. Alle wollten vom Gegenüber erfahren, wie es ihnen in den vergangenen Wochen ergangen war und welche Pläne man so hatte. Da unser geplanter Kurs demjenigen entsprach, auf welchem die Maxima hierhergekommen war, hatten wir viele Fragen, vor allem, was die Fahrt auf Tidengewässern betrifft. Weil es für den Skipper das allererste Mal sein würde, auf solchen Wasserstrassen zu navigieren, war er entsprechend dankbar für diese Informationen. Eigentlich ist es einfach, gibt es doch auf Papier, aber auch auf den offiziellen Websites Gezeitentafeln für verschiedene Orte und Zeiten. Damit kann ausgerechnet werden, wann man an einem bestimmten OrtBild Nr062 sein muss, um die Strömung immer von hinten zu haben und auf diese Weise Energie und Zeit zu sparen. Da kam die Hilfe der Hafenmeisterin von Lier, Lillys Ziel, gerade recht. Sie gab uns die Zeit an, an welcher wir die Tiden-Schleuse Dendermonde zu passieren hatten, um zur Mittagszeit an der Mündung der Rupel zu sein, um dann beim Tidenwechsel auf der Rupel erneut den Schub von Achtern zu haben.Bild Nr068
Als wir uns am nächsten Morgen für das Ablegen bereit machten und uns von der Besatzung der Maxima am Verabschieden waren, wurde die uns zunächst liegende Hebebrücke für einen Frachter angehoben. Ueli, mit seiner zupackenden Art, rief: «hängt euch an den Frachter, das reicht euch schon noch», und fing an, unsere Leinen zu lösen. Der Skipper, normalerweise kein Freund überstürzter Hast, reagierte flugs und schmiss die Maschine an, gemeinsam stiessen wir Lilly ab und liefen auf die geöffnete Brücke zu, wo im Moment der Passage des Frachters unser Signal auf Rot schaltete. Geschwind folgte der Griff zum Funkgerät, der korrekte Kanal war schon eingestellt, und der Ruf ging an den Brückenwärter, um zu fragen, ob wir auch noch passieren dürften. Die positive Antwort kam sofort und zeitgleich mit dem Wechsel von Rot auf Grün, und der Skipper gab Lilly die Sporen, um den rollenden Verkehr nicht unnötig aufzuhalten. Nach einer gemütlichen Fahrt von knapp zehnBild Nr070 Kilometern in zweieinhalb Stunden erreichten wir den Steg, den wir uns für eine Nacht ausgesucht hatten; unglücklicherweise lag da bereits eine Jacht, welche sich etwas breit machte. Trotzdem legten wir mit nur der hinteren Hälfte von Lilly an. Der Skipper der Jacht war so freundlich, diese ein paar Meter zu verholen, sodass wir etwas besser liegen und festmachen konnten.
Von hier waren es am folgenden Morgen, nur ca. zwei Kilometer bis zur Tiden-Schleuse, welche wir problemlos und ohne grosse Wartezeit pünktlich passierten.Bild Nr075 Dank der vielen guten Tipps und Ratschlägen klappte alles wie am Schnürchen, aus der Schleuse auslaufen und über Steuerbord auf der Schelde mit zusätzlichem Schub durch die Gezeitenströmung zu Tal. Wir waren eher etwas zu früh, darum liefen wir nur mit 10 – 12 Km/h über Grund bis kurz vor der Mündung der Rupel in die Schelde, wo wir zusätzlich an einem Schwimmsteg eine Stunde warteten. Das dort anwesende ältere Hafenmeisterpaar bestärkte uns in unserer Entscheidung, hier kurz zu warten, um dann auf der Rupel die Strömung wiederum von achtern zu haben. So kamen wir zu einem gemütlichen Mittagessen auf unserem Achterdeck.
Vielleicht etwas zu gemütlich befürchteten wir, als wir erst um 13.30 Uhr ablegten und die zwei Kilometer bis zur Mündung der Rupel zurücklegten, wir konnten nicht erkennen, in welche Richtung die Wasser der Schelde in dem Moment flossen, also ob wir den Moment des Tidenwechsels verpasst hätten. Lilly zeigte keinerlei Probleme, mit rund 10 Km/h über Grund zu laufen, und als wir in die Rupel über Steuerbord einbogen, hatte sich das sowieso erledigt,Bild Nr077 als wir erleichtert feststellten, dass die Strömung uns bequem zu Berg schob. Sehen konnten wir das an den kleinen Wellen, welche die am Grund verankerten Bojen an der Wasseroberfläche verursachten, sie zeigten in unserer Fahrtrichtung. Fröhlich legten wir die Strecke bis zur Schleuse Duffel, bei perfektem Wetter, mit offenem Frontfenster und entsprechend kühlem Luftzug zurück. An den Toren der Schleuse wurde gearbeitet und das führte zu einer Viertelstunde Wartezeit im Vorhafen. Endlich durften wir in die Schleuse einlaufen und dort weiter warten, bis ein Frachter zu uns aufschloss, dann konnten wir zusammen schleusen und legten nach weiteren drei Kilometern am schönen und extrem langen Schwimmsteg von Lier an, mittlerweile war es 17.30 Uhr.Bild Nr078
Etwas später kamen die freundliche und Deutsch sprechende Hafenmeisterin mit Gatte und Hund vorbei, um die Liegegebühr zu kassieren und uns mit diversen Informationen über Lier und den Hafen zu versorgen. Wir entschieden uns dafür, eine Woche zu bleiben, zumal wir vorhatten, von hier aus Antwerpen mit dem Zug einen Besuch abzustatten. Wie in vielen Häfen wirkt es sich positiv auf den Preis aus, ob man für eine Woche am Stück zahlt oder für sieben einzelne Tage.
Um ins Stadt-Zentrum zu gelangen, mussten wir täglich unsere klappbaren E-Bikes benutzen, bei der herrschenden Sommerhitze wäre die Distanz für einen Fussmarsch etwas zu gross gewesen. Ausgerechnet hier passierte ein kleines Malheur, beim Aufklappen drehte der Skipper das Pedal von Christines Fahrrad zurück, was die Kette veranlasste, aus dem Ritzel zu springen und dabei die Naben-Schaltung beschädigte. Sie konnte den Gang nicht mehr wechseln. Nichtsdestotrotz genossen wir unseren Aufenthalt in Lier. Die Altstadt gefiel uns sehr, nicht so gross, das heisst, weniger Touristen als in den grossen Städten, dennoch gibt es eine Menge zu sehen und zu bestaunen.Bild Nr088 Umspannt und durchquert vom Wasser der Nete fühlte sich das Zentrum für uns Schifferleute gemütlich und heimelig an. Spezielle Erwähnung müssen wir dem Zimmer-Museum und dem Zimmerturm widmen. Louis Zimmer war ein begnadeter Uhrmacher mit einer starken Affinität zur Astronomie. Er erbaute die Jubiläumsuhr mit 13 Zifferblättern aussen an der Turmmauer und innerhalb des Turms ein astronomisches Studio, alles wird von einem zentralen Uhrwerk getaktet und zeigt verschiedene Zeiten und astronomische Ereignisse. Er erbaute ausserdem unter anderem die Wunderuhr mit 93 Zifferblättern und 14 Automaten. Sie wurde 1939 auf der Weltausstellung in New York gezeigt. Bild Nr095Wir verbrachten staunend ein paar Stunden im Museum und im Turm und waren schwer beeindruckt von diesen Wunderwerken an mechanischer Präzision und Vielfalt. Danach mussten wir erst mal etwas zu trinken haben. Dieses fanden wir vor dem Restaurant De Valk, direkt am Grote Markt, nicht weit vom Zimmerturm.
Als wir eines Abends ein paar junge Leute im Kanal herumplanschen sahen, hielt uns auch nichts mehr davon ab, ebenfalls ins kühle Nass zu hüpfen und ein paar Schwimmzüge zu machen. Was für eine Erfrischung, mitten im August.Bild Nr162
Unser Ausflug nach Antwerpen erforderte eine halbstündige Fahrradfahrt zum Bahnhof und eine ebenso lange Zugfahrt ins Herz dieser bedeutenden Hafenstadt. Allein das Ankommen dort ist ein Erlebnis, ist der Zentralbahnhof doch eine architektonische Augenweide. Nicht weniger imposant ist der Platz davor mit der Aussenansicht dieses Gebäudes. Direkt rechts neben dem Ausgang befindet sich der Eingang zum Zoologischen Garten Antwerpens. Diesen haben wir uns jedoch erspart. Dafür haben wir unter Zuhilfenahme einer dafür gemachten App eine Route abmarschiert, welche uns an einigen etwas speziellen Sehenswürdigkeiten vorbeiführte.Bild Nr100 Leider spielte das Wetter einen eigenen Tanz, was uns dazu brachte, in einem kleinen portugiesischen Restaurant einen Kaffee zu trinken, während es draussen schüttete. Vorbei kamen wir zum Beispiel an einem Haus eines Künstlers mit eigenem Helikopter-Landeplatz auf dem Dach. Wie das ganze Haus, in welchem der Künstler Panamarenko über 30 Jahre lebte und arbeitete, ist auch der Helikopter-Landeplatz Teil eines Gesamtkunstwerks. Interessant und geschäftig zeigte sich auch Chinatown, welches im Wesentlichen aus der Van Arteveldestraat besteht. Später sind wir natürlich noch am Hafen entlangspaziert und haben gleich zwei andere Pipers (Lilly ist auch ein Piperboat) liegen sehen, es schien jedoch niemand an Bord zu sein. Richtig imposant ist auch das futuristisch anmutende Hafenbehörde-Gebäude, Bild Nr102welches wir aber nur von Aussen angeschaut haben. Dazu haben wir uns auf eine Bank gesetzt und dabei unser mitgebrachtes Sandwich verdrückt. Unser Weg führte uns bis zum Ufer der Schelde und weiter in die Altstadt und nicht weit vom Bahnhof zu einem kleinen indischen Restaurant, wo wir draussen ein feines Nachtessen genossen, bevor wir wieder mit dem Zug zurück nach Lier und mit unseren Fahrrädern zur Lilly fuhren. Ein weiterer schöner und gut ausgefüllter Tag neigte sich dem Abend zu.

Auch diese Woche fand ein Ende und uns zog es weiter, also legten wir ab und liefen weiter auf dem Netekanal bis zur Mündung in den Albertkanal. War der Netekanal, auf dem nur Schiffe bis maximal 80 Meter Länge gestattet sind, beschaulich und gemütlich, erwartete uns nach der Schleuse Vierselsluis eine Grossschifffahrts-Autobahn. Der Albertkanal verbindet Lüttich und Antwerpen, seine Länge beträgt 129.5 Km, er ist überall mindestens 85 Meter breit, alle Brücken bieten eine Durchfahrtshöhe von 9,1 Meter und die Wassertiefe 3,4 Meter. Der Kanal erlaubt Schiffen der Klasse VI, das Befahren. Man kann sich also vorstellen, dass uns etwas mulmig war.Bild Nr127
Dazu bestand nicht der geringste Grund, die elf Kilometer bis zur Abzweigung in die Schleuse zum Bocholt-Herentalskanal, schafften wir in zwei Stunden, in denen wir weder überholt wurden noch sonstwie in Bedrängnis gerieten. Trotzdem fanden wir es sei an der Zeit, nach einem Liegeplatz Ausschau zu halten. Selbstverständlich waren wir vorbereitet, fanden die Optionen direkt nach der Schleuse aber zu wenig ansprechend und liefen weiter bis zum Jachthafen Herentals wo wir gar nicht erst versuchten in den Hafen einzubiegen, sondern gleich am rustikalen Aussensteg anlegten und festmachten. Es sollte ja nur für eine Nacht sein. Dieser Kanal ist zwar für Schiffe von maximal 50 Metern Länge, bedingt durch die Schleusenlänge, und eher schmal gebaut, wird aber fleissig von Frachtern genutzt und ist wundervoll in eine bezaubernde Landschaft eingebettet.Bild Nr164 Entsprechend nah an uns vorbei kamen die Frachter, die hier auch gleich noch eine Kurve zu durchlaufen hatten. Die nächste Ettappe brachte uns an eine richtige Kreuzung, an der, unmittelbar nach der Schleuse Dessel, der Kanal van Bocholt naar Herentals von den Kanälen Dessel-Schoten und Dessel-Kwaadmechelen gekreuzt wird. Weil uns die Schleuse zum Warten aufforderte, suchte der Skipper nach einer Anlegemöglichkeit und entdeckte, versteckt unter starkem Bewuchs ein aus Dalben und Holzbalken bestehenden Warteplatz. Zuerst war nur ein Poller zu sehen, und erst beim langsamen Annähern waren zwei weitere unter den Blättern auszumachen. Unter dem Ausspähen litt die Aufmerksamkeit des Rudergängers und schon gab es eine leichte Berührung am Holz, blöderweise stand eine Schraube etwas vor und Lilly bekam einen kleinen Kratzer am Bug. Christine war davon nicht amüsiert! Gar nicht. Dafür nutzten wir denn die Wartezeit, um das Gestrüpp zu stutzen, damit andere Benutzer es leichter haben sollten. Nach der Schleusung meldeten wir uns über Funk, dass wir auf die Kreuzung laufen und dann über Backbord in den Dessel-Schoten abbiegen würden.Bild Nr167 Dies, damit eventuell entgegenkommende Schiffe gewarnt wären und sich gegebenenfalls melden könnten. Zudem positionierte Christine sich im Bug, also ganz vorn als Ausguck, um den Skipper warnen zu können, falls doch noch irgendetwas unseren Kurs kreuzen sollte. Langsam und vorsichtig liefen wir dann in diesen Kanal ein und fanden uns abermals in einer Art Allee wieder. In Retie fanden wir in einer Ausbuchtung des Kanals einen Schwimmsteg für eine Nacht. Ein Spaziergang brachte uns bis zum Bistro Vé für einen kleinen Aperitif und durch ein Villenviertel mit schönen Herrschaftshäusern zurück zur Lilly. Bild Nr168Ausser dem Hafenmeister, der dort am Steg auf seinem Boot lebt, sahen wir niemanden. Bis nach Turnhout dauerte es dann auch nicht lange. Hier verbrachten wir ganze fünf Tage, welche wir nutzten, um einzukaufen, Vorräte zu bunkern, Besichtigungstouren und endlich wieder einmal auswärts essen zu gehen. Daneben besuchten wir das Spielkartenmuseum mit wunderschönen uralten Druckmaschinen und Bildern, wie früher Spielkarten hergestellt wurden. Als wir im Hafen ankamen, war nur ein Platz an der langen Kaimauer frei, erst am Ende unseres Aufenthalts konnten wir näher zum schwimmenden Hafenmeister Büro, wo es einen Wasserhahn hat, verholen. Dabei wendeten wir Lilly und waren endlich wieder einmal in der Lage, die Harley abzuladen. Die Gelegenheit nutzten wir, um nach Mol zum Jachthafen Aventura zu fahren und dort gleich einen Liegeplatz am Kanaalmeer zu reservieren. Die Fahrt war unspektakulär und eher kurz, machte trotzdem und auch trotz des Hochsommerwetters ordentlich Spass.Bild Nr177 Der See (auf Flämisch oder Niederländisch ist ein See ein Meer und umgekehrt) liegt wunderschön eingebettet zwischen Wäldern und Auen. Wir konnten das vom Restaurant mit Seeblick beurteilen. Entsprechend idyllisch ist der Hafen angelegt, fünf lange Schwimmstege münden in je einem Kopfsteg, was von oben wie ein T aussieht. Vom Hafenmeister erhielten wir den zweiten Kopfsteg zugewiesen und durften gleich eine Nacht bezahlenBild Nr201. Auch die Rückfahrt zur Lilly dauerte nicht lange. Am folgenden Morgen warfen wir die Leinen los und tuckerten die Strecke bis zur Kreuzung zurück, von wo wir kamen und darüber hinaus geradeaus zur Einfahrt in den See und weiter bis zum reservierten Kopfsteg.
Wie es weiterging, erzählen wir wie immer im nächsten Bericht.